US-Social Networks verlieren im Februar auf breiter Front: Google+ minus 10,39% Unique Users, einzig Pinterest gewinnt

  • Pinterest einziger Gewinner im Februar: plus 45,39%
  • Google+ verliert am stärksten – minus 10,36%
  • Alle anderen verlieren auch – in einem Monat, dem ein Tag fehlt

Es sind keine guten Nachrichten für Google+ – ein Verlust von 10,36 % Reichweite im Februar. Ob das dramatisch ist, wird sich noch zeigen. In seiner kurzen Karriere kam der Knick in der Entwicklung schon öfter vor:

Reichweitenentwicklung Google+ (Quelle: compete.com)
Reichweitenentwicklung Google+ (Quelle: compete.com)

Facebook wird das vor dem Börsengang sicher ein wenig freuen. Berücksichtigt man, dass der Februar 2012 zwei Tage weniger hat als der Januar, dann wurde letztlich keine Reichweite verloren.

Erfreulich ist die Lage für Pinterest: Mit einer Zunahme von 45,69 % und absolut über fünf Millionen Unique Visitors scheint der Sprung auf Platz zwei der Social Networks in den USA noch in diesem Jahr sicher. Der Indikator hierfür ist das stetige Reichweitenwachstum im Verlauf der vergangenen Monate.

Unique Visitors USA Jan. 2012 Feb. 2012 Dev. abs. Dev. %
Facebook

168.599.429

166.890.799

-1.708.650

-1,01%

Google+

21.101.595

18.915.810

-2.185.785

-10,39%

Twitter

39.523.152

37.201.228

-2.321.924

-5,87%

Pinterest

11.140.641

16.230.441

5.089.800

45,69%

MySpace

19.999.550

17.735.003

-2.264.547

-4,57%

LinkedIn

27.442.181

26.186.887

-1.255.304

-4,57%

Flickr

18.711.216

18.255.322

-455.894

-2,44%

Photobucket

16.972.779

16.458.895

-513.884

-3,03%

Quelle: compete.com

Der Reichweitenrückgang der übrigen Netzwerke ist nicht wirklich dramatisch. Da sich die Reichweite nicht gleichmäßig über den Monat verteilt aufbaut, heißt das, dass man fünf oder sechs Prozent Rückgang durch den kürzeren Monat erklären kann. Es gibt eben auch tägliche Nutzer. Gegen Ende des Monats kommen immer weniger neue Unique Vistitors dazu.

Man sollte also von leichten Verlusten ausgehen. Freuen wird man sich bei MySpace, Flickr und Photobucket nach der Entwicklung im Verlauf des vergangenen Jahres kaum.

Wollen wir darauf wetten, wann MySpace seine Pforten schließt? Zum Jahresende?

Über Pinterest wird viel geschrieben – für welche Unternehmen in Deutschland lohnt es sich, schon jetzt loszulegen?

Die Berichterstattung über Pinterest hat auch die deutsche Publikumspresse erreicht: Der Netzökonom Holger Schmidt schrieb darüber im FOCUS.

Wundern muss man sich darüber eigentlich nicht. Die Erwähnungen von Pinterest in den US-amerikanischen Medien nahmen im Januar stark zu und sind zu uns nach Europa herübergeschwappt. Google Trends belegt das:

Google Trends: Suchaufkommen Pinterest & Nennungen in der Presse
Google Trends: Suchaufkommen Pinterest & Nennungen in der Presse

Allerdings scheint die Themenkarriere auch schon wieder auf dem absteigenden Ast befindlich. Hier trage ich nun einfach mal die wichtigsten bisher vorhandenen Daten rund um Pinterest zusammen. Das wird helfen, die Lage etwas umfassender zu beurteilen.

Reichweite

Es gibt Panels, die Daten liefern: compete.com und ComScore. Beide ermittelten für den Januar ähnliche Ergebnisse für die USA: elf Millionen Unique User im Januar. In der folgenden Abbildung sieht man den progressiven Anstieg der Nutzung in den USA seit dem Launch im vergangenen Jahr:

compete.com: Entwicklung der Unique Visitors von Pinterest in den USA
compete.com: Entwicklung der Unique Visitors von Pinterest in den USA

ComScore sagte, dass es sich um die am schnellsten gewachsene selbständige Plattform handele. Ob das Unternehmen nun 2008 oder 2009 gegründet wurde, sollte uns dabei nicht interessieren. Es sieht jedenfalls nach einem großen Erfolg aus und weckt Begehrlichkeiten. Leider hat Pinterest in Deutschland kaum Nutzer – für Januar 2012 wurden vonComScore gerade mal 69.000 Visitors für Deutschland gemessen.

ComScore: Pinterest Visitors in Deutschland
ComScore: Pinterest Visitors in Deutschland (Quelle: Post von Holger Schmidt auf Google+)
Schaut man sich dann auch noch die Zusammensetzung der Nutzerschaft im DoubleClick AdPlanner an, dann erlebt man eigentlich keine Überraschung: Die deutsche Nutzerschaft rekrutiert sich vorwiegend aus der Social Media Professionals:

Die Interessen der deutschen Pinterest Nutzer entsprechend DoubleClick AdPlanner
Die Interessen der deutschen Pinterest Nutzer entsprechend DoubleClick AdPlanner

Am stärksten laden solche Nutzer, die auch Interesse an Venture Capital haben. Ob da die CopyCats auf der Pirsch sind? Die von den Nutzern besuchten Websites geben zudem eindeutige Hinweise. Es sind zwar nur grobe Anhaltspunkte, dennoch lässt sich ganz klar sagen, dass Pinterest bei der breiten Nutzerschaft in Deutschland noch nicht angekommen ist. Gegenwärtig ist das Online-Pinboard bei uns ein Phänomen, das fast ausschließlich Berater, Werber und Analysten interessiert.

Die Sprache, in der nach Pinterest gesucht wird, ist nahezu ausschließlich Englisch. Es existiert hinsichtlich der Nutzung also fast ausschließlich in der englischsprachigen Welt. Das schließt in Europa UK ein und in Asien Indien.

Relevante Produkte

Von ComScore weiß man, dass etwa zwei Drittel der Nutzerschaft Frauen sind. Schaut man auf die Standard-Boards, die Pinterest vorgibt, so sollte man schon eine grobe Vorstellung darüber haben, wofür es eigentlich konzipiert wurde:

  • My Style
  • Favorite Places & Spaces
  • Products I Love
  • For the Home
  • Books Worth Reading

Es geht um Bekleidung, Mode, Inneneinrichtung, Urlaub, Bücher und sonstige Produkte, die man schön auf Fotos darstellen kann. Das Wording ist sehr an – entschuldigen Sie bitte – Frauenzeitschriften angelehnt. So sind folgende Präferenzen der Nutzerschaft, die im DoubleClick AdPlanner abgebildet werden, wenig verwunderlich:

Die Interessenstruktur der Pinterest Besucher entsprechend DoubleClick AdPlanner
Die Interessenstruktur der Pinterest Besucher entsprechend DoubleClick AdPlanner

Mode bzw. Bekleidung lädt am stärksten, gefolgt von Einrichtungsgegenständen & Haushaltsausrüstung sowie Urlaubsgebieten. Mich persönlich wundert es ein wenig, dass Kochrezepte nicht auftauchen, aber das ist ja auch keine Kategorie im AdPlanner.

Nun weiß man, für welche Produkte Pinterest als Werbeträger taugt: Bekleidung, Sportausrüstung, Einrichtungsgegenstände inkl. Kochgerätschaften und alles was mit Urlaub zu tun hat. Hier sollten sich Unternehmen und Dienstleister vorbereiten, denn Pinterest wird ein Erfolg werden. Die Plattform schafft etwas, das neben Facebook & Google wenige andere Plattformen leisten – sie liefert Referrals, heiß geliebten Traffic. Dafür wird man in Zukunft bezahlen müssen – daran führt kein Weg vorbei. Kürzlich wurden für einen kleinen Zeitraum die Links auf Produkte bei Amazon verbogen, um daran zu verdienen. Es gab einen kurzen Aufschrei – v.a. weil die Nutzer darüber nicht informiert wurden. Im Wall Street Journal sagte der Pinterest Co-Gründer Ben Silbermann dann, dass man noch 100 Ideen hinsichtlich Refinanzierung habe. Auch wenn es keine 100 sind – dass es funktionieren wird, darf man ruhig glauben.

Die Nutzung von Pinterest

Referral Traffic im Januar 2012 lt. Sharaholic
Referral Traffic im Januar 2012 lt. Shareaholic
Shareaholic hat am 31. Januar hierzu Daten veröffentlicht. Ob man diesen vertrauen darf? – Ich bin mir nicht sicher. Zur Methode wird lediglich folgendes gesagt: „According to our findings based on aggregated data from more than 200,000 publishers that reach more than 260 million unique monthly visitors each month”. Welche Nutzer das sind, bleibt im Dunkeln. Da Shareaholic selbst nicht so viele Nutzer hat, könnte ein Tracking über das Social PlugIn laufen. Die Daten würden in diesem Fall zwar nicht wirklich repräsentativ sein, wären aber als Anhaltspunkt gut zu gebrauchen.

Machen wir also einfach eine kleine Rechnung. Facebook hatte im Januar etwa 170 Millionen Besucher in den USA, Pinterest 11 Millionen. Pinterest lieferte mit diesem Traffic 3,6 % der Referrals. Überschlägig generierte Pinterest also in Relation zu seinen Besuchern mehr als doppelt so viel Traffic wie Facebook und hätte mit großem Vorsprung den besten Schnitt. Meine Dreisatzrechnung an dieser Stelle ist natürlich eine sehr vereinfachte Vorgehensweise.

Update:(09.03.2012)

Für den Februar hat Shareaholic erneut Zahlen veröffentlicht. Leider sind diese nicht voll mit den Zahlen aus dem Januar vergleichbar.

All Traffic Sources im Februar 2012 lt. Shareaholic

Deutlich wird allerdings, dass Pinterest mehr als 23 Prozent mehr Traffic liefert als im Vormonat Januar. Die in der Vergangenheit schon erstaunliche Entwicklung setzt sich also fort. Twiiter würde überholt, genauso die Referral-Abteilung von Google (das ist wahrscheinlich nicht nur Google+). Pinterest macht sich auf den Weg StrumbleUpon in den nächsten 6 bis 8 Wochen zu überholen. Das liegt es bereits auf Rang zwei nach Facebook.

Aber schauen wir nach dem Umgang der Nutzer mit Pinterest. Welche Quellen gibt es für die Pins?

Quellen für Pins (Quelle: RJMetrics)
Quellen für Pins (Quelle: RJMetrics)
RJMetrics haben das mit einer ganz brauchbaren Methode untersucht. Es wurde eine Nutzerstichprobe gezogen und deren Pin-Historie untersucht. ETSY, Google und Flickr sind die großen Abräumer. ETSY ist wenig erstaunlich – Klamotten, Klamotten, Klamotten. Wenn wir dann danach schauen, wie die Nutzer rein funktional zu ihren Pins kommen, dann ergibt sich folgendes Bild:

Methoden des Pinnens (Quelle: RJMetrics)
Methoden des Pinnens (Quelle: RJMetrics)

Über 80% der Pins sind Re-Pins. Der Grad an Viralität ist in Pinterest also gewaltig hoch. Schauen Sie sich ruhig mal die Werte für die „Virality“ ihrer Facebook-Beiträge an oder die Anteile der Re-Tweets bei Twitter. Der Grund hierfür kann natürlich auch sein, dass viele Nutzer es nicht schaffen, das Pin-Marklet in ihren Browser zu installieren und der Re-Pin dann die einfachste Möglichkeit ist.

Einen Wermutstropfen gibt es freilich. Die Zahl der Pins pro neuer Nutzer innerhalb der ersten 30 Tage der Nutzung war in den ersten Monaten sehr viel höher als im November und Dezember 2011.

Man darf also gespannt sein – vor allem auf die Rolle von Pinterest im diesjährigen Weihnachtsgeschäft in den USA und Kanada. Ich bin mir an dieser Stelle ziemlich sicher, dass spätestens dann erste Elemente der Refinanzierung live sein werden. Ein Kaufen-Button in der folgenden Abbildung käme sicher manchem Nutzer gelegen – oder?

Was sollten Unternehmen also zunächst tun, wenn sie in den relevanten Bereichen tätig sind?

  1. Eine Präsenz bei Pinterest einrichten und diese mit schönen Bildern der Produkte füllen.
  2. Dafür sorgen, dass die Bilder der Produkte mit dem Pinmarklet sauber erfasst werden können. Hier kann es beispielsweise Probleme mit Vergrößerungsapplikationen geben, die eingesetzt werden.
  3. Wenn ein Unternehmen englischsprachige Kunden hat, ist Beeilung angesagt.

Über Rückmeldungen und eine angeregte Diskussion würde ich mich sehr freuen!

Uneinheitliche Entwicklung der US-Social Networks im Januar: Facebook verliert 1,74 % Unique Users, Pinterest gewinnt 54,55 %

  • Facebook ist der Verlierer im Januar -1,74%
  • Pinterest abermals stärkster Zuwachs 54,55%
  • LinkedIn legt stark zu 12,26%
  • Google+ wächst um 5,49%
  • MySpace verliert 5,03%

Der Schrecken vor dem Börsengang: Facebook hatte im Januar entsprechend der Erhebung von compete.com 2012 in den USA weniger Unique Visitors als im Dezember 2011. Der Rückgang ist mit 1,74 Prozent schwach, wohl aber schmerzlich vor dem Börsengang.

Google+ konnte dagegen leicht zulegen. Mit einem moderaten Plus von 5,33 Prozent entspricht dies wohl nicht den Erwartungen, die durch andere Studien geschürt wurden. Bei Google wird man sich wohl verhalten freuen. Ob man Twitter angesichts des zurückgehenden Wachstums dieses Jahr noch überholen wird, muss sich zeigen.

Twitter, musste im Januar, ebenso wie Facebook, leichte Verluste hinnehmen (-2,20%) und rutsche wieder unter die Marke von 40 Millionen monatlichen Nutzern in den USA.

Der eindeutige Gewinner des Monats ist Pinterest. Im Januar hat der Bildchendienst sowohl prozentual  (55,55%) als auch nach absoluten Zahlen (3.932.232) am stärksten zugelegt. Angesichts dieser Wachstumsraten scheint es absehbar, dass Pinterest entsprechend der Reichweite dieses Jahr noch auf Platz drei oder vier der Social Networks in den USA landen wird.

Unique Visitors USA Dec. 2011 Jan. 2012 Dev. abs. Dev. %
Facebook

171.581.636

168.599.429

-2.982.207

-1,74%

Google+

20.003.731

21.101.595

1.097.864

5,49%

Twitter

40.411.065

39.523.152

-887.913

-2,20%

Pinterest

7.208.409

11.140.641

3.932.232

54,55%

MySpace

21.058.546

19.999.550

-1.058.996

-5,03%

LinkedIn

24.444.383

27.442.181

2.997.798

12,26%

Flickr

17.020.801

18.711.216

1.690.415

9,93%

Photobucket

17.343.563

16.972.779

-370.784

-2,14%

Quelle: compete.com

MySpace wurde im Januar von Google+ überholt und hat nun weniger als 20 Millionen Nutzer monatlich.

Wie schon vermutet, handelte es sich beim Rückgang der Nutzerzahlen von LinkedIn im vergangenen Dezember um eine saisonale Schwankung. Im Januar hatte das Professional Network knapp 3 Millionen Nutzer mehr als im Dezember. Zum Vergleich: XING legte in im Januar entsprechend der Visits um etwa 25% zu.

Nachfolgend noch die Abbildungen für die übrigen im Beitrag genannten Networks.



Der entsprechende Beitrag aus dem Januar 2012, mit den Zahlen für Dezember 2011 ist hier zu finden.